Die Mundhöhle als Route lernen, nicht als Liste
Anatomisches Vokabular bleibt hängen, wenn es der Reihenfolge einer Untersuchung folgt und nicht dem Alphabet. Beginnen Sie an den Lippen und am vestibule, gehen Sie zur buccal mucosa, dann hard und soft palate, zum Schlund mit Bögen und Mandeln, zu Zunge und Mundboden — und erst am Ende zu Knochenbasis und Gelenk.
Das ist genau die Reihenfolge eines englischsprachigen Befunds: extraoral, dann intraoral, Weichgewebe vor Hartgewebe. Wer die Route lernt, lernt gleichzeitig den Aufbau der Dokumentation.
Fachsprache oder Alltagssprache
Gingiva und gum bezeichnen dasselbe Gewebe, gehören aber zu verschiedenen Registern: im Befund steht gingiva, der Patient sagt gums. Klausuren erwarten die Fachform, das Gespräch die andere.
Für die Bögen gibt es zwei Benennungssysteme. Palatoglossal und palatopharyngeal arch sind aktuell; ältere Lehrbücher nennen dieselben Strukturen anterior und posterior pillars of the fauces. Beides kommt in Leselisten vor.
Die Zungenpapillen haben vier Typen, und alle vier werden geprüft: filiform, fungiform, circumvallate, foliate.
Maxilla, Mandibula und TMJ
Maxilla ist der Oberkiefer, mandible der Unterkiefer. In der Umgangssprache heißt es upper und lower jaw, in Befunden und auf Röntgenbildern stehen immer die lateinischen Adjektive: maxillary right first molar, nie upper right.
Temporomandibular joint wird fast immer TMJ geschrieben — die Abkürzung ist häufiger als der volle Begriff. Seine Teile: condyle (Gelenkkopf) und ramus (Ast).
Lateinische Pluralformen
Diese Wörter bekommen kein -s:
- gingiva → gingivae
- papilla → papillae
- mucosa → mucosae
- frenulum → frenula
- ramus → rami
In der Klinik hört man auch eingedeutschte Formen wie frenulums, in Fachartikeln und Prüfungen gelten die lateinischen.
Gaumen, Kiefer, Zäpfchen: deutsche Stolperstellen
- Gaumen ist palate, nicht palatum — im englischen Fachtext nur in Komposita wie hard palate
- Kiefer allgemein ist jaw, in der Diagnose aber maxilla oder mandible
- Zahnfleisch ist gingiva oder gums, niemals wörtlich übersetzt
- Schleimhaut heißt mucosa, je nach Ort buccal, labial oder palatal mucosa
- Deutsch Zäpfchen ist uvula — das englische suppository bedeutet etwas völlig anderes